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Als mir im April 2014 drei geschichtsinteressierte Studentinnen im Praktikum zugewiesen wurden und wir gemeinsam mit Frau Kratz von der Universität Bamberg überlegten, welches Thema in der vierten Klasse im Sachunterricht die Schüler interessieren könnte, entschlossen wir uns für die etwas gewagte Reise in die Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Impuls war für mich dabei der Besuch des Kinofilmes „Die Bücherdiebin“ in dem es um das Leben eines jungen Mädchens in den Wirren des Krieges geht. Die Schüler waren von der Geschichte begeistert und stellten viele Fragen, was mich dazu veranlasste mich selbst intensiv mit der Materie „Kindheit im Zweiten Weltkrieg“ zu befassen.

 

Nachdem wir über die Generation der Groß- und Urgroßeltern sowie Familienstammbäume gesprochen hatten, brachten wir Alltagsgegenstände aus der Zeit mit und stellten sie im Klassenzimmer aus. Wir versuchten uns an der alten Schrift, lernten das Schulleben zur Kriegs- und Nachkriegszeit kennen und malten ein Klassenporträt von damals. Zusammen mit den Studentinnen erstellten wir ein Cluster mit den Vorerfahrungen der Schüler. Zuhause sollten sie dann im Internet mit ihren Eltern wichtige Begriffe recherchieren, wie z.B. Holocaust, Pimpf, KZ oder HJ. Die wichtigsten Kriegsfakten wurden von uns an einer Zeitleiste und einer Fotowand festgehalten.

In Gruppenarbeit bearbeiteten die Kinder Texte und Bildmaterial über die Kinderlandverschickung, die Hitlerjugend und den Bund Deutscher Mädel.

Wir packten auch einen Fluchtkoffer um deutlich zu machen, wie wenig den Menschen bei ihrer Flucht geblieben war. Demokratisch wurde im Klassenverband darüber abgestimmt, was wichtig für das Überleben war und was zurückgelassen werden konnte. Dabei machten einige große Augen.

Die Filmreihe „Kriegskinder“, die wir uns gemeinsam ansahen, schloss dann noch so manche Wissenslücke und bewirkte bei den Kindern Empathie.

Nachdem wir die Geschehnisse im Jahre 1945 in Zapfendorf und die Zerstörung des Dorfes in Wort und Bild erfahren hatten, luden wir die Zeitzeugin Gunda Schaller zu uns in den Unterricht ein. Eindrucksvoll schilderte sie uns ihre Erlebnisse als Kind und so manche Geschichte sorgte für Gänsehaut bei uns allen. 

An diesem Tag gab es dann auch eine Schulspeisung in Form von Griesbrei und Kompott, wobei einige Eltern kräftig mithalfen. Anschließend verbrachten die Kids ihre Pause mit alten Pausenspielen wie „Himmel und Hölle“, Murmel spielen oder „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“. Es war faszinierend, wie sehr man die „elektrospielzeugerprobten“ Kinder dafür begeistern konnte!

  

Zum Schluss wogen die Studentinnen eine typische Tagesration Nahrungsmittel aus der Kriegszeit ab, zeigten Lebensmittelmarken und Originaldokumente, in denen die Kinder verpflichtet wurden, Eicheln, Beeren und Holz zu sammeln um die strengen Kriegswinter zu überleben.

  

Dieser Unterrichtstag bewegte uns alle sehr und vereinigte für kurze Zeit zwei sehr unterschiedliche Generationen.

 

Fazit:

So manche Eltern und Außenstehende schüttelten gewiss besorgt den Kopf und nicht selten hörte ich den Satz: „Du kannst doch nicht mit den Grundschülern so ein ernstes und grausames Thema behandeln, was eigentlich in die 9. Klasse gehört!“ Sicher, es war zeitweise eine Gratwanderung von: „Wie viel Information ist nötig und welche Details können die Kinder noch nicht verarbeiten?“

Im Nachhinein muss ich sagen: „Es war für uns alle ein Erlebnis!“ Wir hatten uns auf Geschichte eingelassen und die Kinder, so jung sie auch waren, gingen ohne Vorbehalte an die Sache heran, fragten, recherchierten, suchten Antworten und behielten das große Ganze im Gedächtnis. Ich würde es jederzeit wieder machen!

Kerstin Förtsch